Krakau

Veröffentlicht am 1. Dezember 2012 | Reiseberichte |
Verena
Krakau

Walrippe und -knochen als Trophäe der Welterkunder

Die Marionetten schauen neugierig auf die Gäste des Cafés Jama Michalika (deutsch Michaliks Höhle).
A. nimmt Platz im weiten plüschenen Sessel, sie schaut sich neugierig um. Das ist er also, der Ort, an dem Kunststudenten Essen und Trinken gegen ihre Kunst tauschten, die heute die Räume ziert.

Wir sind in einem der ältesten Krakauer Cafés, trinken Johannisbeersaft, der unsere Sinne streichelt.
“Jama Michalika“ wurde 1895 von Jan Apolinary Michalik eröffnet, in bester Lage in der Ulica Floriańska 45, eine liebevolle Einladung an alle Kunstgenießer. Voller Düfte und Farben und vielsprachigem Stimmengewirr, eben genießen die Studenten der nahen Universität ihre Pause, wärmen sich auf vom Sturm draußen. So  kommen wir in dieser Höhle auf A.´s Zeit als Schauspielerin zu sprechen, wie der Intendant mit der Theaterkasse durchbrannte, gleich nach dem Krieg, die Schauspieler fuhren mit dem  Holzvergaserauto von Dorf zu Dorf in der Lausitz und hatten alle ihre Kostüme auf dem Leib gegen die Kälte und weil sie keine Koffer besaßen. Ihr Bett war das Kornfeld und ihre Kunst Lebensmittel.

Ab 1905 spielte das Kabarett Zielony Balonik (Grüner Ballon) an dieser Stelle. Ein Junge ließ am Tag der Eröffnung vor dem Café einen grünen Luftballon fallen – so leicht finden sich Namen. Das Kabarett wurde Treffpunkt der Krakauer Bohéme und als Höhepunkt jedes Abends trat ein Puppentheater auf. Diese Puppen –  Spiegel der Krakauer Prominenz – schauen interessiert auf uns herab aus einer Vitrine, überm grünen Jugendstil – Sofa sehen wir uns im Spiegel und wissen nun, warum wir beide das Puppentheater seit James Krüss und Tim Thaler besonders lieben. Weil es uns  dazu bringt unser Leben selbst in die Hand zu nehmen…

Dziękuję bardzo für diesen Tag!

Schöne altertümliche Stadt.
Gerade und gewundene schmale Straßen mit Häusern,
deren Mauern am Fuß verstärkt sind…
Das ist das Geheimnis aller dieser Bauten:
Dass sie Ruhe und Sicherheit einflößen.

                         Alfred Döblin

Krakau

...schöne Details, wohin das Auge blickt